Weg mit dem Speck!?

Gewichtsverlust_Maedchenmitschere

Aus welchem Grund auch immer, viele Frauen denken sie seien zu dick und somit unansehnlich. Sie sehnen sich nach einem Gewichtsverlust. Ich persönlich finde das ist Ansichtssache, denn auch eine Frau mit viel erotischer Nutzfläche kann absolut bezaubernd aussehen. Sofern sie zu ihren Pfunden steht, und dass auch durch Ihre Ausstrahlung und innere Haltung nach außen zeigt.

Aber was ist, wenn es für jemanden nicht ok ist über dem sogenannten Body-Mass-Index zu liegen? Ich selbst bin seit jeher ziemlich schlank, zu meinen schlechtesten Zeiten mit Mitte 20 sogar ziemlich abgemagert. Dennoch kann ich es nachempfinden, dass die Unzufriedenheit mit jedem Gramm das dazu kommt, wächst und wächst. Der immerzu kritische Blick, wenn man in den Spiegel blickt. Zu enge Kleidung, in die man wieder reinpassen möchte, die aber eigentlich unbequem ist. Die blöden Blicke grenzdebiler Mitmenschen, die einen nur nach dem Äußeren bewerten und für die in den Medien kommunizierter Perfektionismus das einzig Wahre ist.

Ob nun selbst verschuldetes Übergewicht, eine ungünstige genetische Veranlagung zu schneller Zunahme oder eine krankheitsbedingte Adipösität – für viele ist es ein Muss und ein immerwährender Kampf etwas gegen die überschüssigen Pfunde zu unternehmen.

Die Waage fliegt tief – und nun?

Es gibt viele Wege seiner Unzufriedenheit entgegen zu wirken. Die einen fangen an Sport zu treiben und ihre Ernährung umzustellen. Ein harter und langwieriger Weg. Ich ziehe den Hut vor denjenigen, die ihren guten Vorsätzen Taten folgen lassen und dann auch dranbleiben. Eine weitere Möglichkeit sind diverse operative Eingriffe, die mehr oder weniger sinnvoll sind. Was man auch immer von einer OP halten mag, bei einer meiner Kundinnen hat es wahre Wunder bewirkt. Sie hat innerhalb weniger Monate mehr als 30 Kilogramm abgenommen.

Bei unserem ersten Gespräch saß mir also eine junge Frau (ich nenne sie wegen gewünschter Anonymität Julia) gegenüber, die stolz auf sich war und sich belohnen wollte. Bei ihrer Hochzeit wollte sie schön sein und ein ganz besonderes Kleid tragen. Gefragt war nicht nur ein ausgefallenes Design.

Wer viel Gewicht verloren hat, weiß was jetzt kommt. Julia hatte Hautüberschuss, und das nicht zu knapp. An den Armen, am Bauch und an den Beinen. Eine weitere OP würde dies bestimmt lindern können. Zu diesem Zeitpunkt beziehungsweise bis zur Hochzeit war das kein Thema, also hieß es das beste aus der Situation machen. Meine Ideen und Nähkünste sollten dafür Sorgen Julia an einem der schönsten Tage ihres Lebens rundherum im Besten Licht erstrahlen zu lassen.

Eine Braut, die sich was traut!

Massanfertigung Hochzeitskleid mit Korsett schwarz grün

Julias Anfertigungswunsch sollte sich als einer der spannendsten Aufträge im Bereich Hochzeitskleider entpuppen. Zunächst wünscht sie sich ein Korsett. Schon mal geil.

Dazu ein gerüschter Rock mit Reifrock – so ausladend wie nur irgend möglich! Eindeutig noch geiler.

Passend dazu sollte ein bodenlanger Schleier und ein passendes kleines Täschchen angefertigt werden. Als die ersten Details offenbar wurden, begannen meine Augen vor lauter kreativer Vorfreude zu leuchten an.

Aber es sollte noch besser kommen! Der Farbwunsch war schwarz und grün. Ich hätte sie knutschen können!!!

Klar fertige ich auch weiße oder cremefarbene Kleider und Korsetts an. Aber ganz ehrlich? Ich könnte jedes Mal kotzen, denn helle Stoffe sind so verflucht empfindlich. Und ehe man sich versieht, sind kleine Flecken drauf, die es vor der finalen Anprobe selbstverständlich zu beseitigen gilt! Einfach ärgerlich.

Er ist dagegen…

Ich war hin und weg. Und auch amüsiert. Wir waren uns beide einig, dass die Arme nicht nackt bleiben durften. Und der Schleier wäre für den Zweck der Kaschierung eindeutig die falsche Lösung! Aaaaber, ohne Einmischung des Zukünftigen war die Rechnung dann doch nicht zu machen. Schmunzelnd erzählte Julia mir, dass ihr zukünftiger Göttergatte Boleros hasse. Mist, das wäre eine tolle Idee gewesen. Schlicht, einfach, der Klassiker – konnte ich. Aber schon vor der Trauung den Hausfrieden abfackeln und seine Wünsche übergehen? Musste nicht sein. Das mit der Haut an den Armen war schon eine harte Nuss. Aber wenn es unmöglich scheint, fängt meine Birne an zu rauchen, solange bis eine Lösung in Sicht ist. Letztendlich habe ich Stulpen angefertigt, die bis weit über die Oberarme gingen, quasi bis knapp unter die Achseln. Natürlich rutschfest. Rumzuppeln an der Garderobe ist lästig, wenn man einfach nur gut aussehen möchte und der kirchlichen Trauung volle Aufmerksamkeit schenken will.

Am Ende fühlte sie sich schön!

Das Werk gelang von vorne bis hinten. Als ich die Bilder der Trauung sah, war ich so mächtig stolz auf uns beide. Alles saß perfekt. Die beiden waren, so ausgefallen und eigen, ein wunderschönes Paar. Er im Gehrock mit Zylinder ganz in schwarz, sie in edlem schwarz-grün, aufrecht und voller Würde mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht.

TWO-B Hochzeitskleid mit Korsett

Und das ist wohl der schönste Teil meiner Arbeit. Ich komme meinen Kunden nah, erfahre Bedürfnisse, erfülle Wünsche, runde ab was abzurunden geht. Ich schätze diese Art der Vertrautheit, vom ersten Vorgespräch bis zur finalen Anprobe. Meistens geht, wer durch meine – und nun durch unsere- Tür tritt per Du. Und deswegen empfehlen wir eine Maßanfertigung!

Ich hoffe die beiden hatten den Tag ihres Lebens und werden alt miteinander. Gibt es was schöneres, als seinen Beitrag zu leisten und Wünsche zu erfüllen? Ich sage nein!

2 Kommentare zu “Weg mit dem Speck!?

  1. Guten Morgen,

    Ich finde eure Website und Produkte ganz toll. Mir stört es allerdings sehr dass Sie ein Kleinkind als Modell benutzen und das auch noch als Illustration für das Thema „Weg mit den Speck“.

    Ich habe eure Text dazu gelesen aber dennoch finde ich es unpassend ein Kind auf eine Website wie diese abzubilden.

    Mit respektvollen Grüßen,

    • Anne Bungartz am :

      Liebe Dehlia,
      danke für Deinen Kommentar und Deine Meinung! Ja, auf den ersten Blick ist dieses Bild verstörend und unpassend. Ich habe dieses Bild aber ganz bewußt gewählt. Meine Tochter ist gerade in dem gleichen Alter wie das Mädchen auf dem Bild. Sie ist von Natur aus schlank, sportlich und sehr agil. Einige ihrer Freundinnen sind das Gegenteil davon. Sie neigen zu einem sehr kompakten Körperbau, sind eher stämmig als zart. Der Bewegungsfaktor ist bei den Kindern der gleiche und die Menge an täglich konsumiertem Zucker sehr wahrscheinlich auch. Aber die Veranlagung ist es nicht! Sind sie deswegen schlechter, hässlicher oder dümmer? Nein! Und dennoch ist bereits mit zarten 7 Jahren ihr Körper bereits ein Thema! Die Mütter reden schon jetzt über BMI, Wachstumsverläufe und Kleidergrößen.
      Es ist anzunehmen, dass sich diese Mädchenin ca. 5 Jahren all die schönen Werbeplakate anschauen, die Bilder im Internet, auf Youtube, Facebook und Konsorten, wo schöne Standardmenschen gefeiert werden. Wo man überhäuft wird mit Tipps für die perfekte Figur. Und die Saht gesäht wird für Selbstzweifel, dem Hang zum Perfektionismus und dem ständigen Vergleichen mit anderen Mädchen und Frauen. Ich finde das ehrlich gesagt ganz furchtbar! Ich bin dagegen! Und dennoch tickt unsere Gesellschaft genauso. Und so werden sie sich einreihen in die Menge von Mädchen, die viel zu früh an sich selbst zweifeln und ihren Körper abstoßend finden. Und weil ich dagegen bin werde ich dieses Bild drin lassen. Und weiter dafür plädieren, dass sich die Frauen schön fühlen dürfen. Egal was Industrie, Werbung und der Mainstream an Vorbildern und Vorgaben raushaut! Ich hoffe Du bleibst uns dennoch gewogen. Bist vielleicht sogar im besten aller Fälle meiner Meinung!

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